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schöner lügen - neues deutsches Chansonfest 2019

Hochverehrtes Publikum,

hereinspaziert zur brandneuen Ausgabe von schöner lügen 2019. Neues deutsches Chanson ist ein Genre mit Tiefgang. Im Gegensatz zu Liebhabern von stark populär geprägten Musikveranstaltungen, sind Sie, geschätztes Publikum ja weniger darauf aus, bereits bekannte Hits wiederzuerkennen und mitzusingen, sondern vor allem interessiert am künstlerischem Ausdruck. Wie wir selbst haben sie Freude an neuen Texten, intimen Geschichten und kritischen Denkanstößen. Beim diesjährigen schöner lügen kommen wir alle auf unsere Kosten: Vom Urknall über Genie bis hin zu neuen musikalischen Welten ist alles dabei. Und darüber hinaus etwas ganz Neues: eine Artistin in Residence. Übersetzt: eine Künstlerin die gleich mehrfach beim Chansonfest auftreten wird. Es ist die großartige Dota. Sie eröffnet das Festival mit Band und beschließt es mit drei Duo-Abenden zusammen mit ihren Lieblingskollegen Moritz Krämer, Max Prosa und Alin Coen. Dazu kommt dann noch ein von ihr geleiteter Workshop zum Thema: Lied, Text, Dichtung.

Dazwischen tobt der Bär mit Hannes Wittmers „großem Spektakel“, der a cappella Gruppe Klangbezirk, einem Urknall-Männerabend mit Sven Garrecht, Fayzen und Christian Lötters, das „Niveau singt“ bei Axel Pätz und wir werden „Hündchen lynchen in München" mit Sara Hakenberg. Erholen können sie sich dann im „Club Genie und Wahnsinn“ bei Sebastian Krämer und seinen Gästen Stefanie Kerker, Milian Otto, Matthias Ningel und Andreas Thiel. Wir wünschen beste Unterhaltung und etwas Glück bei der Kartenreservierung denn dafür ist es laut Moritz Krämer immer „Höchste Eisenbahn - wir können nix dafür“.

Mit den besten schöner lügen Grüßen von

Bernhard Bentgens und Roger Back

 

 

schöner lügen

17. neues deutsches Chansonfest

 

Kulturfenster | halle02 | Karlstorbahnhof

Heidelberg, 9. Februar – 24. März 2019

  • Dota & Band | Sa 9.2. | halle02
  • Urknall – Platz für Neuentdeckungen | Männerabend mit Sven Garrecht, Fayzen & Christian Lötters  | Fr 15.2. | Kulturfenster
  • Axel Pätz | Sa 16.2. | Kulturfenster
  • Sarah Hakenberg | Fr 22.2. | Kulturfenster
  • Hannes Wittmer | Sa 23.2. | halle02
  • Klangbezirk | a cappella | Fr 15.3. | Kulturfenster
  • Club Genie & Wahnsinn | Sebastian Krämer & Matthias Ningel, Stefanie Kerker & Andreas Thiel | Sa 16.3. | Kulturfenster
  • Club Genie & Wahnsinn | Sebastian Krämer & Milian Otto, Stefanie Kerker & Andreas Thiel | So 17.3. | Kulturfenster
  • Moritz Krämer & Dota | Fr 22.3. | Kulturfenster
  • Max Prosa & Dota | Sa 23.3. | Kulturfenster
  • Alin Coen & Dota | So 24.3. | Karlstorbahnhof
  • Workshop Lied – Text – Dichtung | Referentin: Dota | 23.3. | Kulturfenster

„Ich liebe die Musik, das singen, das spielen.“

Ein Interview mit Dota Kehr

Dota ist „artist in residence“ des Chansonfestes „schöner lügen“ 2019 und sowohl mit Band als auch mehren Gästen und einem Workshop dabei.

Kulturfenster: Warum machst Du das, was Du machst? Gibt es nicht schon genug Lieder?
Dota Kehr: Wenn ich rational darüber nachdenke: Ja, es gibt schon genug Lieder. Ich habe sogar ein Lied, in dem ich etwas ironisch genau das behaupte: Man braucht keine neuen Lieder mehr, Funny hat alle geschrieben. Aber wenn sich ein Lied anbahnt und mich eine Idee beschäftigt – sei es eine musikalische oder textliche – dann schert mich das überhaupt nicht. Und natürlich hat jede Zeit mit ihren Umwälzungen, gesellschaftlichen Strömungen und neuen Ängsten und Neurosen wieder ihre eigenen, neuen Geschichten zu erzählen.

Du bist Ärztin. Warum Bühne und nicht OP-Saal?
Das ist leicht zu beantworten: Ich liebe die Musik, das Singen, das Spielen. Die Medizin ist ein sehr schöner Beruf - allerdings habe ich im Laufe des gesamten Studiums so wenige Ärzte kennengelernt, die mit ihrem Beruf zufrieden waren, dass ich befürchte, sie ist es mehr in der Theorie als in der Praxis.

SAGO: Was ist das, wie läuft das, was bedeutet Dir das?
Sago ist eine Dichterschule und Künstlergruppe um den mittlerweile verstorbenen Dichter Christof Stählin. Er hat mich mit seinen Ideen zur Sprache der Bilder sehr geprägt, wie auch viele andere Liedermacher, z.B. Max Prosa, Judith Holofernes, Uta Köbernick oder Sebastian Krämer. Man war dort für ein paar Jahre in einem losen Verbund als Schüler und traf sich zweimal im Jahr, um Christofs Vorträgen zu lauschen. Er ist 2015 gestorben und fehlt mir sehr.

Wir starten das Festival mit Dir und Band (9.2.) – erzähle uns was zum neuen Album.
Das neue Album ist das Beste, was wir je gemacht haben und absolut hörenswert. Wer es nicht kennt, hat etwas verpasst. Sag ich jetzt mal so. Ehrlich gesagt bin ich immer, wenn ein neues Album fertig ist, schrecklich unsicher, weil ich alles so oft gehört habe und selber so verstrickt bin in jeden Ton und jedes Detail, dass ich gar nicht mehr weiß, wie ich es finde. Aber nachdem jetzt wirklich sehr positive Rückmeldungen von allen Seiten kamen, kann ich oben gemachte Behauptung guten Gewissens hinschreiben.

Heidelberg: vom Lagerfeuer einer WG über Villa Nachttanz, Kulturfenster und Karlstorbahnhof zum großen Saal der Halle02 – was verbindest Du mit der Stadt?
Oh ja. Genau dies. Eins meiner ersten Konzerte überhaupt war in Heidelberg in einer großen Studenten WG (Bosseldorn), dann nochmal bei einem Gartenfest. Dann hat sich alles so entwickelt, wir waren in der Villa Nachttanz, und mit Band im Karlstorbahnhof und ich mehrfach Solo oder mit Gästen wie Uta Köbernick, bei Euch im Kulturfenster. Ich bin den autonomen Kulturzentren unendlich dankbar, dass sie Freiräume bieten für Subkultur. Das ist wahnsinnig wichtig, damit Bands sich entwickeln können.

„Die genaue Aufgabe des Künstlers besteht darin, die Dunkelheit zu erhellen, damit wir den Zweck nicht aus den Augen verlieren, die Welt zu einem menschlicheren Ort zu machen.“(James Baldwin) Bist Du eine Geschichtenerzählerin oder eine politische Botschafterin?
Was für ein schönes Zitat. Ich möchte darauf hoffen und es klingt erhebend, aber ich glaube, es wäre vermessen, den eigenen Songs so viel Bedeutung beizumessen. Mir liegen die Inhalte meiner Lieder am Herzen – auch gerade die politischen. Ich denke, Lieder sollen nicht Moral predigen oder politische Botschaften übermitteln, sondern Gedanken knapp auf den Punkt bringen, Bilder verdichten und treffende Formulierungen liefern. Was die Leute dann damit machen, ist ihnen überlassen. Christof Stählin sagte immer so schön: „Mit Kunst nicht zielen. Wenn man getroffen hat, wird man es schon merken.“

Singst Du Chansons, Lieder oder Popsongs? Was sind für Dich Chansons?
Schwierige Frage. Als Chansons würde ich Lieder bezeichnen, bei denen der Text im Vordergrund steht, während der bei Popsongs wichtig oder unwichtig für das Lied sein kann. Dann singe ich wohl eher Chansons. Aber gelegentlich kann man dazu ganz gut tanzen. Vielleicht werden die Abende mit den Gästen, bei denen wir uns jeweils mit der Gitarre oder dem Klavier begleiten eher der Bezeichnung „Chanson“ gerecht und das Repertoire mit der Band hat mehr Berechtigung auch als Pop durchzugehen.

Gehst du auch mal Kompromisse ein, auf dem Weg der Kunst?
Für wen? Ich habe ganz absichtlich keinen Produzenten, keine Plattenfirma und kein Management. Wir ringen manchmal um Kompromisse innerhalb der Band, aber wir gehen nie danach, was wir für publikumswirksamer halten, sondern was für uns die stimmige Version für ein Lied ist.

„schöner lügen“ – einige Male bist Du hier schon dabei gewesen. Was bedeutet das Festival für Dich?
Ich mag das Festival sehr. Ich finde, es versammelt stets einige der interessantesten Kollegen der Szene. Für uns waren die Auftritte einige der schönsten Konzerte, die wir bisher gespielt haben. Das Konzert 2016 ist mir in sehr guter Erinnerung.

Du bist „artist in residence“ bei „schöner lügen“ und hast neben dem Auftritt mit Deiner Band und einem Workshop den Du geben wirst, 3 Gäste (Alin Coen, Max Prosa und Moritz Krämer) für je einen Abend eingeladen. Wie kam es zu der Auswahl/ wieso die drei? Und was erwartet uns an den Abenden?
Alle drei sind Freunde von mir und Musiker bzw. Songwriter, die ich sehr schätze. Mit Max Prosa (23.3.) fahre ich oft zum Schreiben weg, er kennt meine und ich kenne seine Texte und Lieder in den allerfrühsten Fassungen. Wir werden abwechselnd Lieder und Gedichte vortragen, die teils auf einander Bezug nehmen. Mit Moritz Krämer (22.3.), den ich sowohl solo als auch mit „Die höchste Eisenbahn“ sehr bewundere, habe ich vor Kurzem ein Duett geschrieben; „Neonlicht“. Wir werden uns den Abend teilen und haben ehrlich gesagt noch keinen genauen Plan ausgeheckt. Vielleicht verpflichtet sich jeder dazu, ein Lieblingslied zu covern oder ich spiele was von ihm und er was von mir, mal schauen. Mit Alin Coen (24.3.) habe ich vor einiger Zeit eine Gedichtvertonung von Mascha Kaléko aufgenommen und es gibt mittlerweile eine kleine Serie von Gedichtvertonungen, die wir gemeinsam singen können. Abgesehen von den Duetten spielt jede von uns solo zur Gitarre Lieder, das wird sehr „unplugged“ und direkt. Ich freu mich auf jeden der Abende und ich glaube, sie werden sehr verschieden und ganz einmalige Erlebnisse.

In der Band sind wir zu viert und haben alle gemeinsam zwei Jahre lang an dem Album gefeilt. Janis Görlich spielt Schlagzeug, Jan Rohrbach spielt E-Gitarre und es gab eine „Staffelstab-Übergabe“ zwischen zwei Keyboardern, die auf dem Album beide zu hören sind. Unser früherer Keyboarder, Jonas Hauer, ist ausgestiegen, weil er nicht mehr so gerne auf Tour fahren mochte und jetzt spielt Patrick Reising, er hat früher lange bei Tele gespielt und wir sind sehr glücklich mit der neuen Besetzung. Mittlerweile hat sich alles gut eingespielt und die ersten paar Konzerte zum neuen Album haben uns sehr viel Lust darauf gemacht, mehr zu spielen.